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Ich bin keine Influencerin

  • vor 3 Tagen
  • 7 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 2 Tagen

Influencer, Content Creator, Digital Artist - das hat nicht den besten Ruf. Influencer zu sein ist irgendwie betont peinlich. Und manchmal ist es das auch zurecht, denn wer hat schon den ganzen Tag Zeit, sich die Haare hübsch zu föhnen, sein Gourmet-Mittagessen zu teilen (das zuvor stundenlang in einer Meditationssession daheim zubereitet wurde) und dabei auch noch spielerisch zehntausend Euro zu verdienen?


Influencer haben es sehr leicht: Gut aussehen und „inspirieren“. 

Dass die Inspiration auf einem Lifestyle beruht, den niemand anderes lebt und der dadurch auch unerreichbar bleibt, das teilt niemand gerne öffentlich. 

Das hübsche Gourmetessen aus der aufpolierten Hochglanz-Küche muss schließlich für jeden erschwinglich sein - in seinen Träumen. 


So sehr ich das verstehen kann, so wenig möchte ich einsteigen in das Influencer-Bashing. 


Manche Influencer sind völlig daneben. 

Manche sind dagegen Gold wert. (Und ich rede nicht von Geld.) 


Das Metier des Influencers ist neu und dazu auch noch komplett Medien basiert: Es gibt außerhalb des Smartphones keine Influencer. Das trägt in unserer Gesellschaft sicherlich stark dazu bei, dass dieses Berufsbild es besonders schwer hat - denn seit wann mögen wir neue Medien? 


Richtig, seit niemals. 


Ohne also in das Influencer Bashing einsteigen zu wollen, möchte ich dennoch ein Mal auf meinem Blog ein Statement veröffentlichen, das besagt: 


Ich bin keine Influencerin. 

Zumindest nicht im klassischen Sinne.


Und das hat mehrere nachvollziehbare Gründe: 


  1. Ich habe kein Algorithmus taugliches Konzept


Ein erfolgreicher Influencer braucht ein solides Konzept. 


Welche Zielgruppe soll erreicht werden? 16 bis 20 oder doch 30 bis 35 Jahre?

Mütter oder Teenies? 

Was ist der Inhalt deiner Marke? 

Coaching oder Healthy Recipes?

Lifestyle?

Wie oft postest du, welche reißerischen Thumbnails erstellst du, was ist deine emotionale Message? 

Was ist dein KONZEPT, girl. 


Was für ein PRODUKT willst du sein? 


Wer bist du, wenn du dich verkaufst?

So als Person?


Bei mir findest du dagegen Konzept-Schnipsel: Jeder Schnipsel meiner tausend Ausdrucksmöglichkeiten ein eigenes Konzept: Heute ein durchdachter Text, morgen ein kleines Comedyreel, und danach erstmal ein Rezept nach einem langen Herbstspaziergang. 

Das braucht man nicht im grellen Supermarkt der eindeutig gekennzeichneten Influencerprodukte. Der Algorithmus muss doch erkennen, was man darstellen soll?! 

Na, damit er dich richtig einordnen und an deine passende Zielgruppe ausspielen kann?! 


Ganz ehrlich? Mir ist dieses ganze Rumgetanze um den Algorithmus viel zu anstrengend. Das nimmt einem direkt den Spaß an der Sache. Dann ist man gefesselt an seinen (potentiellen) Erfolg, an Zahlen und Berechnungen. 

An ein Produkt, das man darstellen eh verkaufen will. 


Unter uns gesagt fühlt sich das albern und letztlich auch würdelos an. 

Und deshalb erarbeite ich keine Konzepte für den lieben Algo, und jage keiner Hintergrundmaschinerie nach, die mich, wenn ich hier und da den richtigen Schritt tue und den richtigen Ton treffe, vielleicht, unter gewissen Umständen, wenn der Mond halb voll ist und die Sterne an den richtigen Positionen stehen, endlich pusht und nach vorne bringt und dann sehen endlich alle, wie toll ich… ne! 


Die Zeit spare ich mir.

Der Preis dafür ist, dass der Kapitalismus mich nicht belohnt.


Mir egal. 




  1. Für mich ist das Innere wichtig - das Äußere nur nice to have  


Ich liebe Erfolg. 


Nach Außen hin erfolgreich zu sein ist richtig schön. Beglückend, selbstbestätigend, erheiternd. 


Nur leider ist das Glück des Erfolgs nie beständig und die Medaille hat immer zwei Seiten. 

Wer mir nicht glaubt, kann sich zumindest in den Dokus über Shirin David, Taylor Swift, Marilyn Monroe, Amy Winehouse, Lady Gaga darüber schlau machen, oder sich den Werdegang von zahlreichen gehypten Influencern ansehen. 


So erfolgreich und gleichzeitig so weit unten kann man sein. 

Gehyped von Massen und doch am Ende des Tages ein waschechter Loser. 


Diese Personen haben tatsächlich einige Dinge gemeinsam: Sie sind in ihrer Persönlichkeit überhaupt nicht gefestigt, sie sind unsicher, rastlos, komplett lost und haben den Bezug zu sich und der Realität völlig verloren. 

Sobald man hinter die Kulissen schaut, merkt man, dass diese Menschen überhaupt kein Rückgrat haben. Aufgefressen von ihrem Erfolg, können sie nicht mehr anders, als um ihren Erfolg (also ihre gefühlte Existenz!) zu bangen, wie billiges Espenlaub an einem stürmischen Herbsttag. 

Für die verstorbenen Personen unter den Aufgezählten gilt hier natürlich das Präteritum. 


Diese Menschen sind einfach keine Persönlichkeiten, obwohl sie doch genau damit so erfolgreich (gewesen) sein sollen. Gerade für ihre Personality wurden sie doch so geliebt, vergöttert, verehrt? 


Nein, für die Marke, die man drumherum gebaut hat. 


Aber als Persönlichkeiten - sorry to say that - versagen diese Personen auf kompletter Linie. 

Der Erfolg hat sie einverleibt und ausgespuckt, und alles, was übrig geblieben ist, ist bei nicht wenigen Stars nur ein Schatten ihrer selbst, den sie von der Marke gar nicht mehr unterscheiden können. 


Erfolgreich zu sein ist sehr, sehr schwer. 

Nicht unbedingt schwer zu erreichen (!), denn das hat eher mit Glück als mit Talent zu tun (und halt der richtigen Vermarktung - wer dem Algorithmus nur das richtige Futter gibt, der wird schon noch entlohnt werden). Nein, er ist sehr schwer zu händeln. 


Erfolg lastet immer schwer auf den Schultern des Erfolgreichen. Was meinst du, wieso so viele Menschen daran zerbrochen sind? Ich habe darüber schon einmal in einem anderen Post geschrieben, aber es sei nochmal erwähnt: Erfolg ist häufig toxischer als Misserfolg. 


Das bedeutet nicht, dass Erfolg per se schlecht sei, aber er ist eben nicht die Hauptsache und vor allem: Erfolg führt nicht zum Glück. 


Nochmal: ERFOLG FÜHRT NICHT ZUM GLÜCK. 


Deshalb kann man diesem Wettlauf auch einfach entsagen. 

Man kann sich den ganzen Eiertanz ums ach so hübsche Erfolgreichsein auch einfach sparen und aufhören, Erfolg hinterherzurennen. 


Entweder er kommt oder nicht. 

Aber WENN er kommt, DANN sollte man in seiner Persönlichkeit so gefestigt und so entwickelt sein, dass man dieses Pferd auch bezwingen kann. 


Sonst hat der Erfolg dich im Griff, und nicht du Erfolg. 


Deshalb ist mir das Innenleben viel, viel wichtiger. 


Das Wichtigste ist das Glücklichsein!

Das Wichtigste ist, dass wenn du morgens deine hübschen Augen aufschlägst, du dich auch auf dich und deinen Tag freuen kannst. 


DAS zählt. 


Nicht, ob du dabei anderen Menschen Erfolg vorweisen kannst. 

Das Leben ist keine PowerPoint. 

Und kein Instafeed. 



  1. Likes bestimmen über dich 


Ich kann nicht sehr viele Follower und vergleichsweise wenige Likes vorweisen, aber ich liebe jeden einzelnen Tag meines Lebens sehr, und ich liebe es, mich auf jedmögliche Art und Weise dabei ausdrücken zu können, ob humorvoll, spielerisch, künstlerisch-ästhetisch oder tiefgründig. 


Weil ich mich nicht von äußeren Dingen beeindrucken lasse, ob es Geld ist oder Likes oder ein beruflicher Status. 


Niemals habe ich mich diesen Dingen gewidmet, und ja zuerst sieht man vielleicht jahrelang wie ein Verlierer aus. Aber so spielt das Leben nicht! Die wirklich wichtigen Dinge, die passieren immer im Untergrund - für niemanden zu sehen. So wie im Garten sich das Samenkorn erst einmal tage- oder wochenlang unter der Erde seinen Weg bahnt und kräftige Wurzeln schlägt, so muss man auch im menschlichen Leben auf seine Früchte warten können, ohne direkt dafür Applaus zu verlangen. 


Zuerst die Arbeit. 

Dann die Frucht. 

GANZ AM ENDE DIE FRUCHT. 


Und deshalb ist es mir egal, ob ich jemandem gefalle. 

Das ist doch überhaupt nicht mein Bier. 

Ohne eine Frucht vorweisen zu können, wird man eh den wenigsten gefallen. Da gibt es dann ja auch nichts zu holen?! 


Es muss niemandem gefallen, außer mir und somit hat niemand das Recht über mich zu bestimmen, indem er Sachen von mir liked oder mir sein Like absichtlich verweigert. Mir doch egal - ich mache, was ICH will, NICHT WAS WER ANDERS WILL. 


Ich bin doch keine Marionette?

Kein Fähnchen im Winde, heute so, morgen so, „Mano, jetzt gefalle ich wieder nicht, bin zu dick / zu dünn / zu hübsch / zu viele Pickel / hab etwas gesagt, das falsch aufgefasst...“. 


Tatsächlich ist das die einzige Erfolgsstrategie, die sich letzten Endes auch bewährt: Likes keine Macht zu geben. Wenn man sich lange Zeit vorwiegend nur nach Außen orientiert, alten Erfolgen hinterherhängt und sich immer nur fragt, was die meisten wohl feiern würden, dann wird man über kurz oder lang kläglich scheitern. 

Man verwässert. 

Man verfälscht sich und verliert seine Identität. Seine Individualität, seinen Geschmack, seine Intuition. 

Schlimmstenfalls wird man irgendein billiges Massenprodukt, das vielleicht jeder kaufen kann, aber auch nur weil es so bodenlos zugänglich ist, dass auch der Dümmste von allen es checkt. 


Man muss nicht allen gefallen - allen zu gefallen heißt meist auch, einfach nur den niederschwelligsten Bums zu produzieren. Sonst würde es nämlich nicht jedem gefallen KÖNNEN. 

Und naja - selbst dann gefällt es nicht jedem. Gebildeten Personen gefällt sowas nämlich eher nicht ;). 


Ich lasse keine Likes über meine Arbeit bestimmen. 

Ich lasse mir nicht die Richtung weisen.

Ich bewerte meine Arbeit nicht an Hand dessen, ob ich viele Likes bekommen habe. 

Likes sind keine neumodische Währung für Kunst. 

Ich bin hier nicht bei DSDS, wo ein selbstüberschätzter alter weißer Mann ein paar Sprüche auswendig gelernt hat. 


Ich mache, was ich will, weil hier steht mein Name als Verfasserin, und nicht „die Likes haben es so gewollt.“


Wenn Likes über dich und deinen Ausdruck bestimmen, sind Likes mächtig. 


… zumindest so lange bis du endlich das Ruder übernimmst. 



Warum ich hier bin 



Es gibt Menschen - ob digital oder real - die dir Dinge andrehen wollen, um etwas von dir zu erhalten. 


Geld.

NOCH MEHR GELD. 

Am besten drehen sie dir irgendwas an, das eigentlich nicht so wertvoll ist, eigentlich sogar ziemlicher Fake, etwas, das sie sehr billig produziert haben, und nebenbei noch irgendwen anders ausgeraubt haben, indem sie nur den Mindestlohn zahlten. Nur um dir ein effizienzgesteigertes, überteuertes Produkt anzubieten. 


Oder sie lassen einfach alles KI machen, Texte zum Beispiel ;).


UM NOCH MEHR GELD ZU HABEN. 

NOCH MEHR. 

MEEEEEHR. 


Und dann gibt es Menschen, die dir etwas geben wollen. 

Wirklich, die gibt es haha. 

Und als natürliche Konsequenz zahlst du auch gerne dafür: mit deiner Aufmerksamkeit (weil du bekommst ja richtig wertvollen Input, dann hört man automatisch zu und hängt an den Lippen wie ein „Süchtiger“) und letztlich auch gerne mit Geld. Liebend gerne bezahlst du die andere Person dann auch und investierst, weil du dafür richtig gute Leistung erhältst. 


DU bekommst was für dein Geld. 

Etwas, das für dich noch wertvoller ist, als nur Geld.


Das sind letztlich die Verkäufer, die die besten Produkte abwerfen. Menschen, die sich nicht einfach bezahlen lassen wollen, sondern die in erster Linie etwas GEBEN wollen. 


Etwas richtig gut zu verkaufen, heißt: Ich gebe dir etwas, das noch vieeel besser ist, als Geld. 

Etwas, womit du wirklich etwas anfangen kannst. 

Etwas, das DICH belohnt. 


Und deshalb ist es mir egal, ob ich viele Likes habe, erfolgreich bin, eine große oder kleine Community, Geld damit verdienen kann usw.


Weil ich es nicht für mich mache.


Ich mache das für dich.



Lilith 













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